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Samstag, 25. Juni 2011


Auf einer Länge von 800 Metern können Autofahrer nunmehr auf den zusätzlichen Fahrstreifen wechseln und langsame Brummis überholen. Fotos: Gudrun Stoll
Aufatmen: Der Stich ist wieder frei
Auszug aus der Hohenzollerischen Zeitung vom 25. Juni 2011
Die Überholspur ist fertig — Ein bewegter Hang stellt Planer vor große Herausforderungen
Viele Pendler atmen auf. Nach mehrwöchigen Bauarbeiten ist der Stich endlich wieder befahrbar. Auf einer Länge von 800 Metern kann nun bergauf überholt werden.
GUDRUN STOLL
Albstadt/Bisingen. Seit dem frühen Mittwochabend ist der Abschnitt der L360 zwischen Onstmettingen und Thanheim wieder frei gegeben. Wie wichtig diese Verbindung ist für die vielen Pendler, haben die vergangenen Wochen deutlich vor Augen geführt. Das Regierungspräsidium spricht von einer hochbelasteten Straße mit einem täglichen Verkehrsaufkommen von 7000 Fahrzeugen. All diese Fahrer mussten ausweichen, auf die B 32, die B 463, auf die Querverbindungen und Schleichwege zwischen Albstadt und Balingen. Wer hinunter musste ins Tal oder hinauf in den Albstädter Norden, dem blieben lange und zeitraubende Umwege nicht erspart. Die unzähligen weiteren Baustellen, welche die Landkarte des Kreises derzeit wie ein Flickenteppich säumen, und das aktuelle, schon unglaublich zu nennende Chaos am Knotenpunkt Balingen haben die Situation noch verschärft.
Im April 2010 fiel der Startschuss für den Zusatzfahrstreifen an der Thanheimer Steige. Da die Arbeiten in Abschnitten erfolgten, blieb der Stich die meiste Zeit befahrbar. Noch vor dem Wintereinbruch wollte man fertig sein.
Aber der bewegte Hang hat schon mehr als einmal für Überraschungen gesorgt und den Menschen vor die Einsicht gestellt, dass die Natur ihren eigenen Gesetzen folgt. Die Straßenarbeiten lagen zwar gut im Plan, aber die schwierige Geologie sorgte - wieder einmal - für Probleme: Der Hang war ins Rutschen geraten. Schon im Juni musste nach heftigen Regenfällen eine Stützmauer gezogen werden. Die Experten bemerkten außerdem eine Setzung. Die Folge waren Risse im Straßenbelag. Durch nachrutschende Erdmassen gestaltete sich die Sanierung schwieriger und aufwendiger als gedacht. Zur Absicherung des rutschgefährdeten Abschnitts wurde der Böschungsfuß mit grobem Steinmaterial abgestützt. In der Folge verlängerten sich vor der Winterpause die Bauarbeiten und eine ungeplante, aber notwendige Vollsperrung. Den finanziellen Mehraufwand beziffert das Regierungspräsidium mit rund 80 000 Euro.
Im Mai 2011 setzten sich die Baufahrzeuge und Maschinen der Firma Stumpp aus Balingen wieder in Bewegung. Noch musste der Belag für die Überholspur eingebaut werden, standen Restarbeiten an, fehlten Fahrbahnmarkierung und Schutzplanken.
Zudem galt es, die umfangreiche Setzung an der Ortsausfahrt von Thanheim in Richtung Onstmettingen zu beheben. Die Planer gingen davon aus, dass die Arbeiten bis Freitag 17. Juni, zum Abschluss kommen und nach fünf Wochen Vollsperrung der Verkehr wieder rollen kann. Die freie Fahrt hat sich aber nochmals um fünf Tage verzögert. Der Grund: Gewährleistungsarbeiten an der Asphaltdeckschicht im Ausbauabschnitt, der im Jahr 2005 fertiggestellt wurde, haben etwas mehr Zeit benötigt als vorgesehen.
"Alles andere als einfach", so kommentiert man in Tübingen den Ausbau des Stichs. Es gab zwei heftige Hangrutschungen und eine große Setzung auf 40 Metern Länge und bis zu neun Metern Tiefe. Nun sind die Arbeiten abgeschlossen. Offizielle Feiern sind nicht vorgesehen. Die noch am Straßenrand gelagerten Gerätschaften und Materialien werden in den nächsten Tagen abtransportiert. Die Gesamtkosten für die vom Land getragene Verbreiterung des Stichs liegen bei 1,1 Millionen Euro.